Was haben wir Euch eigentlich getan?

Die Verantwortung für die Leine gehört den Hundehaltern

Leinenzwang am Kaifu

Das viel frequentierte Naherholungsgebiet entlang des Isebekkanals soll in ein Biotop verwandelt werden. Foto: Michael Wahlert

Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit, als es mich immer wieder in den Stadtpark zog, weil ich dort so viele Hunde treffen und streicheln konnte. Ob ein Hund damals frei oder an der Leine lief, entschied einzig Herrchen oder Frauchen. Kein Parkwärter, die es damals noch gab, störte sich an freilaufenden Hunden oder interessierte sich für die Grünanlagenverordnung, die auch schon in diesen Jahren einen Leinenzwang vorsah. Alte Leute, die den Park besuchten, um Eichhörnchen oder Tauben zu füttern (ist heute übrigens verboten) oder die Nachmittagssonne auf einer Bank zu genießen, fühlten sich nicht von den Vierbeinern belästigt. Keine Mutter zog panisch ihr Kind beiseite, nur weil ihr ein Hund entgegen kam. Einzig die Hundehaufen führten hin und wieder zu einem lauten Aufschrei, wenn man mal wieder hinein getreten war.  Ansonsten herrschte Frieden, ein freundliches Miteinander wurde von allen Parkbesuchern gelebt und die Verantwortung für die Leine lag in den Händen der Hundehalter.

Der Wind hat sich gedreht

Seit dem schrecklichen Vorfall am 26. Juni 2000, als ein kleiner Junge durch verantwortungslose Hundehalter und das Versagen der Behörden sein Leben verlor, hat sich der Wind gedreht. Seit 2006 werden Menschen mit Vierbeinern vom Hamburger Hundegesetz reglementiert. In Bezirken wie Altona melden sich besorgte Mütter und Väter zu Wort, die ihre Kinder vermeintlich schon mehrfach vor den Übergriffen reißender Bestien schützen mussten. In Eimsbüttel sind es die besorgten Naturschützer, die das viel frequentierte Naherholungsgebiet entlang des Isebekkanals in ein Biotop verwandeln wollen und am liebsten jeden vom Grün vertreiben würden, der das Gras beim Wachsen stören könnte – die Hunde sind erst der Anfang!

Leinenzwang: Wo sind die bösen Hunde?

Leinenzwang am Kaifu

Der beste Freund des Menschen ist keine gefährliche Bestie. Foto: Norbert Görgens

Noch nie gab es so viele Hundeschulen wie heute und so viele Hundehalter, die viel Geld und Zeit investieren, um ihren Hund gesellschaftstauglich zu erziehen. Mit Erfolg: Laut der letzten offiziellen Beißstatistik für das Jahr 2015 gab es 155 Beißvorfälle in der Hansestadt – so wenige wie noch nie und die meisten davon beruhten auf Unverträglichkeiten zwischen Hunden. Da ist es viel wahrscheinlicher, dass man beim Fensterputzen von der Leiter fällt, als je von einem Hund gebissen zu werden. Aber auch die Stadtreinigung verzeichnet Rekorde, hat sie doch im vergangenen Jahr 30 Millionen Gassibeutel ausgegeben. Das Problem mit dem Hundedreck ist damit zwar noch nicht vollständig gelöst, aber das Stadtbild ist seit Einführung der Gassibeutel deutlich sauberer geworden – zumindest was die Hinterlassenschaften der Hunde angeht. Trotzdem werden Menschen mit Hunden immer wieder auf das Kotthema und die Gefährdung bzw. Belästigung, die angeblich permanent von nicht angeleinten Hunden ausgeht, reduziert. Dass weder das eine noch das andere in irgendeiner Weise mit Leinenzwang oder Leinenhaltung korreliert, wird man weder den besorgten Müttern und Vätern noch den extremistischen Naturschützern auch mit den besten Argumenten, Beispielen und Respekt nicht nahebringen können. Im Zweifel wird am Ende des Tages alles auf den einen Nenner gebracht, dass Hunde eben nicht in die Stadt gehören, weil Hundehaltern der verantwortungsbewusste Umgang mit der Leine abgesprochen wird.

Das hat der beste Freund des Menschen nicht verdient

Doch was treibt manche Mitmenschen dazu, den besten Freund des Menschen als gefährliche Bestie zu verleumden? „Vielleicht liegt es einfach nur daran“, wie ein Hundehalter unlängst bei Facebook schrieb, „dass wir uns in den letzten Jahren zu defensiv verhalten haben und uns immer nur bemüht haben, mit unseren Vierbeinern bloß niemanden zu belästigen. Scheinbar wird dieses Bemühen nicht honoriert, geschweige denn wahrgenommen“. Klingt plausibel und legt nur einen Schluss nahe: Wir müssen lauter werden und uns wieder mehr für die berechtigten Interessen unserer vierbeinigen Familienmitglieder engagieren.

Keine spinnerte kleine Randgruppe

Leinenzwang am Elbufer

Ständiges Streitthema in Altona: Der Hundestrand. Foto: Archiv

Wir sind keine kleine spinnerte Randgruppe. Hinter den 73.300 in Hamburg gemeldeten Hunden stehen mindestens 100.000 Menschen, die sich für ein Leben mit Hund entschieden haben. Menschen, die auch Wähler sind und jedes Jahr mit mehr als sechs Millionen Euro Hundesteuer zum Haushalt der Stadt beitragen. Über sechs Millionen Euro, die nicht etwa den Hunden zugutekommen, sondern nach dem Gesamtdeckungsprinzip zur Finanzierung aller kommunalen Aufgaben der Freien und Hansestadt Hamburg herangezogen werden.

Bürger zweiter Klasse

Wäre es da nicht angemessen, der größten Benutzergruppe der öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen die zur Verfügung gestellten Grünflächen nicht immer weiter zu entziehen und in der politischen Auseinandersetzung nicht wie Bürger zweiter Klasse zu behandeln? Beim Kaifu-Grünzug und beim Jenischpark geht es doch darum, den Menschen eine öffentliche Grünanlage als naturnahen Erlebnisraum für viele unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse zur Verfügung zu stellen. Menschen in einer Großstadt brauchen keine Natur nur zum Angucken, sondern zum Berühren und Erleben. Rigide Vorgaben wie sie zum Beispiel dem „Rundem Tisch“ in Eimsbüttel und Altona vorschweben, mögen an anderen Orten angemessen sein. Aber sie sind nicht per se richtig, sondern man muss das systemische Umfeld mit berücksichtigen. Wir leben mitten in einer Großstadt und nicht auf dem platten Land. Großstadtleben ist eigentlich etwas lässiger und hier schlägt den Hundehaltern gerade eine Piefigkeit entgegen, die ihnen die Sprache verschlägt.

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