Auswirkungen bestimmter restriktiver Haltungsbedingungen wie permanentes Führen an der Leine

In einem Gutachten ist die Hamburger Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz Dr. Barbara Schöning der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen durch permanentes Führen an der Leine auf das Hundeverhalten zu erwarten sind,  wenn ansonsten für ihn nur noch die Möglichkeit besteht, in kleinen umzäunten oder begrenzten Freilaufgebieten mit diversen anderen Hunden frei zu laufen.

Zwei angeleinte Hunde an einem Pfeiler - was bewirkt permanentes Führen an der Leine.

Restriktive Haltungsbedingungen können einem Hund kein artgemäßes Leben nach den Maßgaben des Tierschutzgesetzes ermöglichen. Foto: Industrieverband Heimtierbedarf

Schöning stellt fest, dass Hunde obligat soziale Lebewesen sind. „Sie haben ein Bedürfnis nach regelmäßigem täglichem Sozialkontakt, das heißt intensiver direkter Kommunikation mit einem Partner über optische, taktile, akustische und olfaktorische Signale. Im Zuge der Domestikation wurde der Mensch zu einem Sozialpartner des Hundes und Hunde sind zudem in der Lage, zu Individuen weiterer Spezies (z.B. Katzen) enge soziale Bindungen aufzubauen. Der Sozialkontakt mit Menschen oder Katzen kann den Kontakt zu Hunden aber nicht vollständig ersetzen, da diese Spezies ein anderes Ausdrucksverhalten und andere Schwerpunkte in der Kommunikation aufweisen als der Hund“.

Die Fachtierärztin kommt zu dem Schluss, dass restriktive Haltungsbedingungen wie ein permanentes Führen an der Leine bzw. begrenzte Freilaufflächen als einzige Möglichkeit zum Freilauf, einem Hund kein artgemäßes Leben nach den Maßgaben des Tierschutzgesetzes ermöglichen: „Der Bedarf nach arttypischer und rassentypischer Lokomotion, Exploration und Sozialkontakten kann durch permanentes Führen an der Leine nicht gedeckt werden. Auf Dauer werden sich bei derart restriktiv gehaltenen Hunden Verhaltensprobleme und Verhaltensstörungen entwickeln, welche dann auch in anderen Bereichen (z.B. im häuslichen Rahmen) auftreten können bzw. werden. Da eine gesteigerte Aggressionsbereitschaft ein häufig zu beobachtendes Problem bei derart depriviert gehaltenen Hunden ist, führen die restriktiven Haltungsbedingungen letztendlich auch zu einem gesteigerten Gefährdungspotential für andere Hunde bzw. Menschen in unserer Gesellschaft“.

Download PDF

Zurück zu den Fakten

Kommentare sind geschlossen