Ein Fakten-Check – die Hundewiesen im Kerngebiet Eimsbüttel

Ein Fakten-Check – die Hundewiesen im Kerngebiet Eimsbüttel.

Eine der Hundewiesen in Eimsbüttel.

Hundeausloaufzone Eidelstedter Weg - viel Spaß beim toben.

In einer Präsentation bei einer Kerngebietsausschuss-Sitzung wurde dargelegt, dass 98,95% der Einwohner im Bezirk Eimsbüttel im Einzugsgebiet von Hundeauslaufzonen und Freilaufflächen wohnen. Auf den ersten Blick stimmt das auch. Schaut man aber genauer hin, wird schnell klar, dass hier nur getrickst wurde. Zusammenhängende Wiesen wurden zerstückelt, um die Anzahl der Flächen zu erhöhen. Die Größe der Gesamtfläche hat sich jedoch verringert. Tatsächlich wurden seit 2012 im Kerngebiet von Eimsbüttel 32.263 m² Hundeauslaufflächen vernichtet. Allein am Kaifu wurden im Jahr 2016 fast 28.000 ²m Hundeauslauffläche einfach durch die Bezirkspolitik gestrichen. Gleichzeitig gibt es Hamburg seit 2012 fast ein Drittel mehr Hunde. 77.000 Hunde waren 2016 in Hamburg registriert.

Es gibt zwei Arten von Hundewiesen: Hundeauslaufzonen nach § 8 Hamburger Hundegesetz (HHHG), auf denen alle als ungefährlich geltenden Hunde frei laufen dürfen, um sich artgerecht zu verhalten und ihren Bewegungsdrang auszuleben. Zusätzlich gibt es Freilaufflächen nach § 9 HHHG, die nur für leinenbefreite Hunde freigegeben wurden.

Was aber bedeutet leinenbefreit? Ein hundehaltender Mensch legt mit seinem Hund eine Prüfung ab und weist damit nach, dass der Hund zuverlässig abrufbar ist und von ihm keine Gefahren oder Belästigungen ausgehen. Mit dieser Leinenbefreiung dürfen HalterInnen mit ihren Hunden nun auf öffentlichen Wegen ohne Leine laufen, sprich auch auf Straßen und Wegen, die durch Grünanlagen führen. Allerdings darf der Hund die Wege nicht verlassen. Also einen Meter nach links oder rechts auf dem Rasen zu laufen, ist nicht erlaubt.

Der Politik war sehr schnell bewusst, dass kein Hundehalter unter diesen Bedingungen den so genannten Hundeführerschein ablegen würde. Also wurden die Bezirke aufgefordert, in Grünanlagen zusätzliche Flächen zu schaffen, auf denen diese geprüften Hunde frei laufen dürfen. Diese Flächen sollten als Anreiz für Hundehalter dienen, den Hundeführerschein abzulegen. Doch bis heute sehen viele Hundehaltende keinen wirklichen Sinn darin, den Hundeführerschein zu machen. Warum? Die meisten § 9-Flächen sind unattraktiv und bieten Hunden keine Möglichkeiten, ihren Bewegungsdrang auszuleben. Bestes Beispiel ist der Mittelweg, wo ein überwucherter, schmaler Grünstreifen als Freilauffläche ausgewiesen wurde.

Freilauffläche am Mittelweg - wie war das jetzt mit dem Gebüsch?

Zudem sind auf den Freilaufflächen nur die Rasenflächen für Hunde freigegeben. Gebüsche, Unterholz und Blumenbeete dürfen von Hunden nicht betreten werden. Bei der Berechnung der Flächen werden diese aber dennoch einbezogen, so dass die angegebenen Größen der Freilaufflächen nicht mit den tatsächlich nutzbaren Flächen korrespondieren. Das lässt sich nicht anders als Augenwischerei bezeichnen.

Welche Ansprüche haben HundehalterInnen an Hundewiesen? Hundehalter wollen sich zusammen mit ihren Hunden bewegen. Das, was Menschen ohne Hund vielleicht einmal in der Woche machen, nämlich einen ausgedehnten Spaziergang, machen HundehalterInnen mehrmals am Tag. Dabei ist es nicht wirklich reizvoll, auf einer kleinen Wiese herumzustehen, während ein erwachsener Hund i.d.R. auch nur herumsteht oder sitzt, denn erwachsene Hunde spielen nicht mehr so viel. Hundewiesen sind wichtig für junge Hunde. Sie können dort spielen und toben. Grundsätzlich benötigen Hunde einen gewissen Platz, wenn sie sich mit anderen Artgenossen auf einer Wiese treffen. Zum einen, um ausgelassen zu toben. Zum anderen, um sich nötigenfalls aus dem Weg gehen zu können. Daher ist die Größe einer Hundewiese entscheidend für die Akzeptanz der Hundehalter. Das bedeutet allerdings nicht, dass Hundehalter alle Wiesen komplett für sich beanspruchen. Bei einem Spaziergang soll der Hund einfach nur auch mal links und rechts auf den Rasen laufen und mit dem einen oder anderen Hund toben können.

Wir haben uns die Hundeauslaufzonen und Freilaufflächen im Kerngebiet Eimsbüttel einmal genauer angeschaut, nachfolgend eine Aufstellung aller Flächen.

Hundeauslauzonen für alle Hunde

Bezeichnung Größe Anmerkungen Eignung
Doormannsweg 3.172 m² Diese Wiese liegt direkt am viel befahrenen Doormannsweg. Um den Hund artgerecht auszulasten müsste man etwa 200 Mal im Kreis laufen.  
Eidelstedter Weg 2.301 m² Umgeben von Straßen, gelangt man hier auf eine Betonfläche. Als Basketballplatz für Jugendliche aufgegeben, wurde das Areal für Hunde freigegeben. Artgerechter Auslauf ist hier nicht möglich.  
Eduardstraße – Pinneberger Weg 2.092 m² Ein Fußweg und eine kleine Wiese, auf der ein Fußballtor steht. Auch hier nur etwas zum Vorbeigehen, aber kein artgerechter Hundeauslauf möglich
Der Kerngebietsausschuss hat Anfang 2017 die Einzäunung dieser Freilauffläche beschlossen. Die SPD sagt dazu: „Diese Flächen sollten, wie im Fall der Eduardstraße durch unsere Initiative auf den Weg gebracht, für Menschen und Tiere sicher nutzbar sein.“ Wir fragen uns, sollen Menschen mit ihren Hunden in Zukunft in Käfigen ihren Auslauf tätigen?
 
Alstervorland 18.502 m² Die einzige Hundeauslaufzone, die diesen Namen im Kerngebiet verdient. Sie bietet ausreichend Platz zum Toben und Hunde können sich aus dem Weg gehen. Leider ist die Fläche häufig überfüllt.  
Oberstraße 5.268 m² Hierbei handelt es sich um eine Rasenfläche, die von parkenden Autos umgeben ist. Hin und wieder sind hier ein oder zwei Hunde anzutreffen, aber in der Regel wird diese Fläche nicht angenommen, weil sie zum Toben und Spazierengehen nicht geeignet ist.  

 

Bezeichnung Größe Anmerkungen Eignung
Altonaer Straße - Amandastraße I 3.141 m² Direkt an der Altonaer Straße gelegen, lässt sich nur der hintere Teil entspannt genießen. Weil keine langen Spaziergänge möglich sind, ist die Fläche eher für den kleinen Gassigang zwischendurch geeignet.  
Altonaer Straße - Amandastraße II 286 m² Warum dieses Teilstück von der restlichen Fläche getrennt dargestellt wird, erschließt sich nicht. Augenwischerei und zudem direkt an der Altonaer Straße gelegen.  
Bei der Apostelkirche - Hellkamp 1.305 m² Viel zu klein und direkt an der Straße gelegen. So eine Wiese nimmt man beim Vorbeigehen mit, geht aber nicht extra hin, um den Hund artgerecht auszulasten.  
Emilienstraße - Doormannsweg 17.409 m² Die Größe dieser Freilauffläche ist schon mal gut. Sie grenzt jedoch direkt an den Doormannsweg. Im hinteren Teil liegen Spielplätze direkt an der Freilauffläche. Zudem muss auch hier das Gebüsch abgezogen werden. Nimmt man nur den mittleren Teil, um ausreichend Abstand zur Straße und den Spielplätzen zu halten, bleibt nicht mal die Hälfte der Fläche für die gefahrlose Nutzung übrig.  
Eppendorfer Weg - Meißnerstraße 5.247 m² Auch bei dieser Fläche gilt, die Gebüsche müssen abgezogen werden. Hier ist zumindest keine Hauptstraße angrenzend. Aber kaum jemand möchte sich hier gerne länger mit dem Hund aufhalten.  
Heußweg 734 m² Ein Grünstreifen neben dem Fußweg, der von den meisten Bürgern nicht mal als Grünfläche angesehen wird, sondern als Rasenfläche vor einem Haus. Als Freilauffläche für Schildkröten durchaus interessant.  
Heußweg - Tornquiststraße 967 m² Was hier nun die Freilauffläche ist, muss man erraten. Ist es der Weg oder die kleinen Randflächen mit Gras? Freilauf für Hunde ist hier nicht möglich. Oder war das Gebüsch gemeint, das ohnehin nicht von Hunde betreten werden darf?  
Heymannstraße - Schlankreye 1.299 m² Wieder eine kleine Rasenfläche vor einem Haus. Artgerechter Freilauf für Hunde nicht möglich. Beim Gassigehen bleibt man als Hundehalter vielleicht kurz mal stehen.  
Schwenckestraße - Sillemstraße 1.063 m² Auch wenn wir uns wiederholen, eine kleine Rasenfläche vor einem Haus. Beim Spazierengehen durch die Straßen bleibt man hier mal zwei Minuten stehen. Artgerechter Auslauf ist nicht gegeben.  
Sophienallee 29 - 33 838 m² Viel Gebüsch, dazwischen etwas Rasen. 500 Runden um die Wiese und man hat sich zumindest eine halbe Stunde bewegt. Der Hund wird wohl zwischenzeitlich vor Langeweile eingeschlafen sein.  
Tornquiststraße - Emilienstraße 2.467 m² Zieht man das Gebüsch ab, dann bleibt eine Rasenfläche übrig, auf der man sich kurz aufhalten kann. Artgerechter Auslauf? Fehlanzeige!  
Voigtstraße - Lappenbergsallee 452 m² Direkt an der Lappenbergsallee ein schmaler Grünstreifen, den man nicht mal als Grünanlage wahrnimmt. Zum kurzen Verweilen ganz okay, aber für einen artgerechten Hundeauslauf untauglich.  
Weidenstieg - Fruchtallee 2.474 m² Ziemlich versteckt zwischen Häusern, schlecht zu finden und auch hier muss wieder das Gebüsch abgezogen werden. Da die Fläche gerne von Kindern zum Fußballspielen genutzt wird, ist die Fläche nicht durchgängig nutzbar.  
Weidenstieg - Meißnerstraße 700 m² Ein Gehweg mit etwas Rasenfläche und viel Gebüsch. Hier werden Flächen ausgewiesen, die eigentlich gar nicht für den Hundeauslauf nutzbar sind.  
Wiesenstraße 479 m² Eine Baulücke an der Wiesenstraße. Hängt dort eigentlich immer noch das Schild, dass Hunde dort verboten sind? War wohl mal ein Spielplatz und die Frage stellt sich, wann dort gebaut wird, um Wohnraum zu schaffen? Artgerechter Freilauf nicht möglich.  
Grindelberg - Brahmsallee 75.157 m² Die Größe lässt einen Hundehalter erst einmal staunen. Wie groß die Flächenanteile sind, die davon auf Gebäude, Straßen, Wege, Parkplätze, Teich, Gebüsche, Spielplatz und umzäunte Grünflächen entfallen und damit gar nicht als Freilaufflächen zu gebrauchen sind, ist unklar. Der Bezirk weigert sich die tatsächlichen Flächenteilstücke darzustellen und die tatsächlichen Flächengrößen anzugeben. Die eigentlich zu nutzenden Freiflächen sind also wesentlich kleinere, nicht zusammenhängende Flächen. Schätzungsweise steht maximal ein Drittel bis die Hälfte der angegebenen Fläche zur Verfügung. Fahrradfahrer flitzen auf den Wegen. Das ist für Hunde nicht ungefährlich. Hier ist ein artgerechter Freilauf für Hunde kaum möglich. Außerdem nehmen Hundehalter diese Fläche kaum an, denn ein Spaziergang zwischen Hochhäusern ist nicht wirklich attraktiv.  
Klosterstern 3.951 m² Der Schildbürgerstreich unter den Freilaufflächen. Eine Verkehrsinsel inmitten des extrem viel befahrenen Klostersterns. Zu Fuß mangels Ampeln und Zebrastreifen kaum zu erreichen, steht man sich hier die Beine in den Bauch. Zwar gibt es nur wenig Büsche, einen Hund haben wir hier noch nie gesehen. Artgerechter Freilauf nicht möglich.  
Mittelweg 4.312 m² Die Ränder zur Straße sind mit Büschen bepflanzt. Ansonsten eine abschüssige Rasenfläche, die lediglich zum kurzen Verweilen taugt. Artgerechter Freilauf nicht möglich, aber immer noch ein bisschen besser als die meisten anderen Freilaufflächen.  
Beim Schlump vor 85 -90 2.034 m² Mindestens ein Fünftel der Fläche besteht aus Buschwerk. Der langgezogene Grünstreifen, der direkt an einer Hauptstraße liegt, ist für artgerechten Freilauf ungeeignet. Zum Gassigehen geht man hier auch nicht mal hin, weil eine Straße überquert werden muss.  
Edmund-Siemers-Allee 3.709 m² Die Fläche liegt direkt an einer der meist befahrenen Straßen Hamburgs. Beim Gassigehen hält man hier allenfalls kurz an, aber mehr auch nicht. Artgerechter Freilauf ist auf keinen Fall möglich.  
Kennedybrücke - Alsterufer 7.073 m² Direkt neben der Kennedybrücke gelegener Grünstreifen - zumindest ohne Gebüsch. Doch wer will denn in Ruhe mit seinem Hund neben einer Hauptstraße spazieren gehen? Für einen artgerechten Freilauf nicht geeignet.  
Kennedybrücke - Lombardsbrücke II 11.538 m² Auch diese Freilauffläche liegt direkt neben der Kennedybrücke, auf der anderen Seite sind Bahnschienen. Hier könnte man sich schon etwas mit dem Hund aufhalten, möchte man aber nicht. Freilauf bedingt möglich, aber nicht wirklich interessant. Menschen trifft man hier eher selten an, daher wohl auch für Hunde freigegeben. Ist eben insgesamt uninteressant.  
Mittelweg - Hallerstraße 288 m² Mit Gebüsch zu gewucherte Randbepflanzung neben dem Gehweg. Von Freilauffläche kann hier in keiner Weise die Rede sein. Augenwischerei des Bezirks.  
Mittelweg - Hansastraße 873 m² Mit Gebüsch zu gewucherte Randbepflanzung neben dem Gehweg. Von Freilauffläche kann hier in keiner Weise eine Rede sein. Augenwischerei des Bezirks.  
Mittelweg - Theodor-Heuss-Platz 43.231 m² Die große Moorweide ist zumindest schön groß und in der Mitte können die Hunde sogar gut toben - wenn nicht gerade ein Zirkus oder andere Veranstaltungen auf der Wiese gastieren. Zumindest kann man sich hier mal 15 Minuten aufhalten.  
Mittelweg 42 889 m² Ein Rasenstreifen neben dem Gehweg. Von Freilauffläche kann wieder mal keine Rede sein. Man wird als Hundehalter fast schon wütend, wenn man so etwas sieht. Reine Augenwischerei. Beim Gassigang bleibt man hier kurz stehen, wenn der Hund kurz mal schnüffelt.  
Moorweidenstraße 1.576 m² Eine kleine Graswiese an der Ecke Rotherbaum, die bei trockenem Wetter von Studenten überfüllt ist. Was soll das?  
Neue Rabenstraße 834 m² Eine dreieckige Rasenfläche, gesäumt von einem Parkplatz, dem Mittelweg und dem Alsterglacis. Auch hier bleibt man nur stehen, weil der Hund gerade mal schnüffelt. Von Freilauffläche kann hier keine Rede sein.  
Neue Rabenstraße - Mittelweg 6.503 m² Die kleine Moorweide: Auf der einen Seite der Mittelweg, auf der anderen Seite parkende Autos, ansonsten ein schmaler Rasenstreifen. Geht hier je ein Hundehalter mit seinem Hund hin?  
Rothenbaumchaussee 2.238 m² An der Ecke zur Edmund Siemers Allee, wurde ein dreieckiges Stück Rasenfläche neben dem Fußweg freigegeben. Auch hier gilt, beim Gassigehen kurz mal anhalten, aber als Freilauffläche ungeeignet.  
Rothenbaumchaussee - Hallerstraße 389 m² Kleine Rasenfläche neben dem Fußweg, von einem kleinen Metallzaun umzäunt. Hier fühlt sich eine Schildkröte bestimmt wohl, Hunde schnüffeln kurz und gehen dann weiter.  
Rothenbaumchaussee - Hansastraße 1.067 m² Fußweg, daneben ein schmaler Streifen Rasen, dann kommt eine Hecke, dann wieder ein schmaler Streifen Rasen, ein Weg und wieder ein schmaler Streifen Rasen. Ja, hier kann man durchgehen, von artgerechtem Freilauf jedoch keine Rede.  

Sie haben sich bis hierher durchgekämpft? Respekt. Uns wurde zwischendurch immer wieder schlecht, uns standen die Tränen in den Augen oder wir platzen fast vor Wut. Was der Bezirk den HundehalterInnen hier als ausreichendes und reizvolles Flächenkonzept für Hunde anpreist, ist eine Schande und grenzt an Verarschung. Attraktive, gut angenommene Flächen, auf denen es seit Jahren ein gutes Miteinander von Menschen mit und ohne Hund gab, wurden gestrichen – auf Betreiben fanatischer Naturschützer, vor denen die politisch Verantwortlichen ganz augenscheinlich Angst zu haben scheinen.

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